Freitag, 22. März 2013

Ich bin umgezogen!

Liebe Leser,

jetzt, da mein Blog etwas mehr als zwei Leser am Tag hat, habe ich beschlossen, auf eine neue URL "umzuziehen". Die neue Adresse findet Ihr, wenn Ihr hier klickt:

CLOUDPHARMING

Dort finden sich alle skeptischen Einträge aus Now/Here, und ab heute wird es auch nur noch dort weitergehen. Dieses Blog wird geschlossen. Ich freue mich auf Euch "drüben"!

Eure Claudia


Dienstag, 19. Februar 2013

Die gefallenen Frauen

ACHTUNG! Ich bin umgezogen! Dieses Blog wird nicht mehr lange existieren; alle Einträge und sämtliche folgenden findet der geneigte Leser hier: Cloudpharming.

Bald ist wieder Weltfrauentag. Viele Bewohner unserer Breiten scheinen diesen Tag für überflüssig zu halten (immerhin dürfen Frauen in einzelnen Kantonen der Schweiz schon ab 1990 wählen…), doch als Frau hat man allen Grund, die Rechte der Geschlechtsgenossinnen an diesem Tag feiern und ihre Einhaltung anmahnen zu wollen. Denn auch in Europa hatten einige Frauen bis in die 90er Jahre hinein unter schlimmen Misshandlungen zu leiden (von Zuständen in islamischen Theokratien heutzutage ganz zu schweigen).

Auf eines dieser Phänomene möchte ich in diesem Post besonders aufmerksam machen – und selbstverständlich hat es mit der katholischen Kirche zu tun. Aber keine Sorge, auch die Protestanten und Muslime tragen mit haarsträubenden Geschichten bei.
Es soll um die so genannten Magdalenenheime gehen. Diese Institutionen operierten fast das gesamte 20. Jahrhundert über in Irland; rund 30.000 Frauen gerieten in ihre Mühlen und wurden auf grausamste Weise missbraucht und ausgenutzt.
Die Magdalenenheime wurden von den Priestern und Nonnen des Magdalenenordens gegründet, benannt nach der Prostituierten, die als reuige Sünderin und „13. Apostel“ Jesus begleitete und ihm am Ende sogar die Füße waschen „durfte“. Gegründet wurden diese Heime, die meist Wäschereien waren, ursprünglich, um Prostituierte, „gefallene Frauen“, von der Straße zu holen und sie zu resozialisieren; ihnen Arbeit und Unterkunft zu bescheren. Innerhalb kurzer Zeit jedoch wandelte sich offenbar das Selbstverständnis des Ordens; Frauen wurden aus verschiedenen Gründen und ohne Prozesse oder Vorankündigungen in die Heime verschleppt. Wenn sie zu promiskuitiv schienen oder unverheiratet schwanger waren, wenn sie von einem Familienmitglied missbraucht worden waren und so Schande über die Familie gebracht hatten, wenn sie Waisen waren oder – wenn sie einfach nur zu hübsch waren.
Dort angekommen, mußten sie die Namen „heiliger“ Frauen annehmen oder wurden schlicht durchnummeriert, um fortan in den Wäschereien oder Fabriken unbezahlt Sklavenarbeit zu leisten, die meisten von ihnen noch Kinder. Dabei durften sie weder mit der Außenwelt, noch miteinander kommunizieren, sonst wurden sie drakonisch von den Aufsicht führenden Nonnen bestraft. Das ging so weit, daß junge Frauen darüber benachrichtigt wurden, daß ihre Mutter gestorben war - und zwanzig Jahre lang unerkannt und sich nach Kontakt sehnend an ihrer Seite gearbeitet hatte.
Die Mädchen schrubbten Korridore, bis ihre Knie bluteten und arbeiteten oft bis zum Umfallen oder gar dem Tod. Tausende Mädchen und Frauen haben die Zeit in diesen Einrichtungen nicht überlebt und endeten in anonymen Massengräbern. Andere berichten von dutzenden Selbstmordversuchen. Und wer zu fliehen versuchte, wurde von der Polizei wieder zurückgebracht und kahl geschoren.
Die Frauen flohen nicht nur vor der schweren Arbeit, sondern auch vor der Erniedrigung, die sie nur aufgrund ihres Geschlechts erfahren mußten. So wurden die Brüste abgebunden und sie mußten sich einmal in der Woche nackt ausziehen und vor den versammelten Nonnen auslachen lassen für ihre „Eitelkeit“. Zu Essen gab es Brot mit Bratfett, verdünnte Milch, wässrige Suppe und zwei Mal im Jahr ein Ei. Wer sein Essbesteck fallen ließ, mußte vom Boden essen und von dort um Vergebung betteln.
Maureen Sullivan, eine der wenigen Frauen, die ihr Schweigen brachen, berichtete von einem Vorfall in ihrer Jugend: sie hatte über Läuse geklagt und wurde in der Folge von den Nonnen regelrecht gefoltert: „Sie nahmen eine Schere und eine Stahlbürste und rissen damit an meinen Haaren, bis mir das Blut vom Kopf tropfte.“
Staat und Polizei nahmen das nicht nur hin, sondern kollaborierten sogar. Diese Frauen mußten all dies nur wegen ihres Geschlechts ertragen. Nun; wer sich mit der Geschichte der katholischen Kirche auseinandersetzt, wird nicht verwundert darüber sein, daß solche Dinge in Gottes Namen geschehen sind. So hat der Vatikan die Preisverleihung an einen Film, der sich intensiv mit der Thematik auseinandersetzt, scharf kritisiert.

Hier wird auf zwei Weisen deutlich, welch manipulative Kraft die Kirche durch ihre Hauptinstrumente - wie Angst und Misogynie – innehat. Die Psyche aller Beteiligten wurde so schlimm beeinflußt, daß sich die unterdrückten Frauen auch nach ihrer Entlassung und bis zur Schließung des letzten Heims 1996 (!) nie über ihre Erlebnisse zu sprechen trauten. Steve Humphries, ein Filmemacher, der die Aufklärung ins Rollen brachte, suchte lang nach Überlebenden, die sich trauten, darüber zu sprechen und wurde erst bei zwei terminal krebskranken Frauen fündig, die im Angesicht des Todes endlich den Mut fanden, ihre Geschichte zu erzählen. Den Frauen wurde so lange und so erfolgreich eingebläut, daß sie wertlos seien, daß sie es nie als ihr Recht betrachteten, über diese schrecklichen Erlebnisse zu sprechen. Die Psyche dieser Mädchen und Frauen wurde systematisch zerstört.
Und das – dies ist der zweite große manipulative Akt – von Frauen. Ein besonders perfides System, dessen sich erfolgreiche sexistische Systeme schon lange und erfolgreich bedienen; paternalistische Männer bringen Frauen dazu, im Namen Gottes oder irgendeiner Obrigkeit andere Frauen zu foltern und zu töten, ihre Leben zu zerstören und dabei auch noch das Gefühl zu haben, das Richtige zu tun. Das ist die bösartigste Form misogyner Manipulation, die ich mir vorstellen kann. (Und sie funktioniert – wie man hervorragend am Beispiel tausender religiöser Mütter sehen kann, die ihre eigenen Töchter rituell verstümmeln. )
Männer – hauptsächlich Priester und Familienväter – bestimmten, wer in ein solches Heim verschleppt wurde, Frauen besorgten den Rest.

Doch nicht nur die Katholiken machten sich hier die Hände schmutzig: in England gab es bis in die 70er Jahre auch zahlreiche solcher Heime, die von Protestanten geführt wurden. Und es hört nicht auf: die Magdalenenorden betreiben solcherlei Einrichtungen noch immer, mittlerweile jedoch verstärkt in Asien und Afrika.
Das war die Realität für mitteleuropäische Frauen. Bis vor weniger als 20 Jahren.

Und weil ich so viele schlimme Kommentare von Männern gehört und gelesen habe, die finden, Frauen sollten sich jetzt mal nicht so anstellen, habe ich noch einen kleinen Bonus von unseren Freunden aus dem nahen Osten. Solche Dinge geschehen Frauen auch jetzt noch. Vermutlich passiert ähnliches genau jetzt hunderten Frauen in Saudi-Arabien oder dem Iran.

Hier zum Beispiel ist ein Bild aus einem islamischen „Handbuch“, das in einer Grafik anschaulich darlegt, wie Frauen vor einer öffentlichen Steinigung zu präparieren sind.


Hier ein Bericht von einem muslimischen Kleriker, der seine fünfjährige Tochter anal vergewaltigt hat, danach versuchte, die Fissuren mit Verbrennungen wieder zu „kitten“ und sie anschließend tötete, weil er „Zweifel an ihrer Jungfräulichkeit“ anzumelden hatte. Er zahlte ein paar tausend Euro Strafgeld und muß keinerlei Strafe absitzen: klick.

Zuletzt etwas für starke Nerven; wer hier klickt, gelangt zu einem Video einer Frau, die öffentlich ausgepeitscht wird – natürlich von Männern. Die Polizeibeamten lachen und geben an, Spaß zu haben.
Und wenn jetzt noch ein einziger Mensch behauptet, der Weltfrauentag sei nicht mehr nötig, so empfehle ich ihm, auf einen anderen Planeten auszuwandern. 

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Quellen: 
- Film: Sex in a cold climate
- Film: Die unbarmherzigen Schwestern
- SPON: "Gequält in Gottes Namen", 2003
- Zdf-Mittagsmagazin 19.02.13
- In God's Name, The Guardian, 7.02.13

Freitag, 25. Januar 2013

Von der Bürde des Frauseins

ACHTUNG! Ich bin umgezogen! Dieses Blog wird nicht mehr lange existieren; alle Einträge und sämtliche folgenden findet der geneigte Leser hier: Cloudpharming.


Ich bin eine Frau. Und das bin ich gerne.

Ich bin eine Frau die Glück gehabt hat: in einem der reichsten Länder der Welt geboren, zu einer Zeit, die deutlich aufgeklärter ist als diejenige, in welche Milliarden von Frauen vor mir geboren wurden. Ich bin von liebenden, aufgeklärten Eltern in dem Glauben erzogen worden, daß ich ein dem Manne ebenbürtiges Wesen bin – mit allen Freiheiten und Rechten.
Keine Religion zwang mich je in die Knie und unter die Fittiche eines autoritären Mannes.

Ich bin nicht im strengen Katholizismus aufgewachsen, doch wenn ich Kontrolle über meinen Körper und mein Gebärverhalten erlangen will, begehe ich dabei noch immer eine Straftat. Wenn ich nach einer Vergewaltigung in einem katholischen Krankenhaus Hilfe suche, werde ich abgewiesen und mir wird, Sünderin, die ich dann bin, die Pille danach verweigert.
Ich bin nicht im Islam aufgewachsen, doch ich sehe viele Mädchen und Frauen, deren Zeitpunkt der ersten Blutung durch ein Stück Textil auf ihrem Kopf markiert wird als der Eintritt in eine unreine Lebensphase, in welcher sie als sündige Verführerinnen gelten. Sie dürfen vom man geschlagen werden, wenn sie nicht spuren, haben Panik, wenn eine Haarsträhne unter ihrem Kopftuch hervorschaut und … werden das alles genauso an ihre Töchter weitergeben.
Die Christen jedoch verhalten sich sehr ähnlich. Das Land, in das ich als freier Mensch hineingeboren wurde, wird von C-Parteien regiert, die Frauen gern wieder am Herd sähen und das in Gesetzesform zum Ausdruck gebracht haben.
Doch lebte ich in einem anderen Land auf dieser Erde und erlaubte ich es mir, dort einen eigenen Kopf zu haben, müßte ich vielerorts mit dem schlimmsten rechnen. In den USA könnte ich als Frau UND Atheistin keinerlei politische Karriere anstreben. Zudem könnte bald mein Vergewaltiger mich verklagen, wenn ich sein Kind abgetrieben hätte und ich würde von den dort ansässigen Politikern großzügig mit guten Ratschlägen versehen, zum Beispiel es einfach „zu genießen“, wenn es ohnehin unvermeidbar sei. Im Iran würde ich festgenommen, wenn ich ohne Kopftuch herumliefe. In Indien würde ich an meinen Zukünftigen verscherbelt wie eine billige Mitgift. In Spanien wäre mir mein Kind weggenommen worden. In manchen afrikanischen Ländern wäre ich für vorehelichen Sex gesteinigt worden. In vielen Ländern wäre Bildung ein Traum für mich (in einigen davon würde ich für diesen Traum erschossen) und sogar in unserem Land war das bis vor wenigen Jahrzehnten auch keine Selbstverständlichkeit. Hier werde ich nur nicht so gut bezahlt wie meine männlichen Kollegen, aber mir geht es hier vergleichsweise gut. Nicht so, wie dieser Dame hier, die das Pech hatte, einen eigenen Kopf zu haben:
Das ausschließlich aus Männern bestehende Gremium, das sie zum Tode verurteilt hat, wird von einem Vollstrecker angeführt, der seine Freudentränen beschreibt, als er das Todesurteil aussprechen darf. Nein, einem Mann wäre so etwas wohl nicht passiert.

Nein, ich empfinde es nicht als Bürde, eine Frau zu sein. Nicht jetzt und nicht hier und vor allem nicht im Angesicht der oben angeführten Dinge, die überall auf der Welt geschehen und das wohl auch noch lange Zeit tun werden. Über die Gründe dafür kann ich nur spekulieren, sicher spielen körperliche Überlegenheit, Angst und die Möglichkeit, Leben zu schenken eine Rolle, genauso wie sexuelle Attraktion. Aber das sollen klügere Menschen analysieren. Ich bedauere es nur und will meine Stimme erheben für den Traum von Gleichheit.
Doch wer diesen zu laut träumt, wird auch in Deutschland noch gerne verschrien. Als frigide Emanze. Als sexfeindliche Korinthenkackerin. Als Grund, wieso deutsche Männer keine deutschen Frauen mehr wollen. Die zicken ja so viel herum!

Letzter Anlass zu diesem Post sind die Geschehnisse um den FDP-Abgeordneten Brüderle, der eine Stern-Reporterin belästigt haben soll, als er betrunken in einer Bar saß. Dieser Fall schlägt Wellen und der Wahrheitsgehalt ist schwer zu ermessen, doch ich bin geneigt, der jungen Dame Glauben zu schenken – denn abwegig ist ein solcher Vorfall nicht. Viel zu häufig werden Frauen damit unterworfen und gedemütigt, auf ihre Brüste und ihre Vagina reduziert, überall in diesem Land. Das zeigt die daraufhin gestartete Twitter-Aktion #aufschrei, zu der viele Frauen schon ihre persönlichen Geschichten beizutragen haben. Die Tweets malen ein trauriges Bild von Deutschland im 21. Jahrhundert. Doch was noch viel schlimmer ist, sind die Reaktionen darauf: zunächst wird der Geschichte der jungen Journalistin kein Glauben geschenkt, sie wird beleidigt und ihre Geschichte als hysterisch abgetan.
In einer Umfrage bei einem großen Nachrichtenportal war die Stimmung eindeutig: 60% der 3000 Befragten befanden, die Diskussion sei überflüssig und hysterisch. Deutschlands eloquentester Kolumnist schrieb

Ein Mann darf also nicht mehr nach einem Glas Wein mit einer Frau reden.
Ein Mann darf nicht mehr im Aufzug ohne Zeugen mit einer Frau fahren. Ein Mann darf keiner Frau mehr auf den Busen gucken.Sollen nur noch Polizisten zwischen Mann und Frau sein?
Was ist daran schlecht, wenn ein 67-jähriger Mann mit einer 28-jährigen „Stern“-Reporterin an einer Bar betrunken ist.
Ich bin nicht entsetzt. Es ist das Leben.

Die Kommentatoren bei genanntem Nachrichtenportal ließen mir genauso sehr die Haare zu Berge stehen. Frauen forderten es doch heraus, mit ihrer billigen Kleidung! Frauen schlafen sich gerne nach oben, benutzen das sogar als Fallen! Andere jammern, daß ihnen immerhin auch schon mal von einer Frau zwischen die Beine gefasst wurde, an Karneval. Ein schönes Beispiel folgt:


Was soll man da noch sagen? Die Bedrohung des Mannes durch kapriziöse Frauen scheint ein anhaltendes Problem zu sein, so viel steht fest.

Die Geschichte der Stern-Reporterin ist nichts im Vergleich mit Genitalverstümmelungen oder Todesurteilen gegen Frauen, nur weil sie Frauen sind. Aber sie ist der Rest eines jahrhundertealten Systems, das wunderbar funktioniert hat, um Frauen kleinzuhalten und sie dazu zu bringen, dasselbe ihren eigenen Töchtern anzutun. Insofern kann man den so laut verschrienen Emanzen des vergangenen Jahrhunderts nur auf Knien für die Errungenschaften danken, die sie uns Frauen gebracht haben, statt sie zu verteufeln. Die Hoheit über den eigenen Körper und die eigene Zukunft zu haben ist für viele Frauen auf diesem Globus nicht selbstverständlich.
Ich gehe sogar weiter und träume davon, als Frau nicht nur etwas zu sagen zu haben, sondern dabei auch noch gut, hübsch und wie eine Frau aussehen zu können, weil es einfach egal ist. Weil es nicht als Herausforderung zum Koitus verstanden werden muß. Sondern weil konservative Konventionen gesprengt werden können. Und weiters denke ich, daß man als Frau nicht nur über Frauenthemen sprechen und schreiben muß. Weil Frauen Menschen sind. Vielleicht nicht im Angesicht der großen Religionen und vielleicht nicht einmal in den Köpfen der meisten Männer.
Aber wenn ich mir vorstelle, daß meine Tochter, sollte sie einmal existieren, noch immer in einer Welt lebt, in der sie um ihre Rechte kämpfen muß, nur, weil sie mit einer Vagina geboren wurde; wie sie es sich gefallen lassen soll, von mächtigen Männern gierig betatscht zu werden, um nicht als frigide Zicke zu gelten, dann… tja, dann wird mir ganz schlecht.

Und dann bin ich wirklich froh, daß es auch noch vernünftige Menschen (männlichen und weiblichen Geschlechts) da draußen gibt. Und wir werden immer mehr. Wir sind Frauen - und wir sind Menschen.