Dienstag, 28. Juni 2011

Erlösung

Weil es zu wichtig ist, um nicht laut gesagt zu werden,
weil es zu schön ist, um verschwiegen zu werden:
Zwei Gedichte, die dem Menschen gewidmet sind, den ich liebe.
Weil er mir alles ist.

I - Ich trage Narben:

Wie sie, fast wie Wolken, den Himmel beschweren!
Doch daß es ein "fast" ist - ich spüre es oft:
Da sie nicht dem Wand'rer die Blicke verwehren
Auf unschuldig Blaues, das auf Wiedergang hofft.

Denn das Blau dort ist, müde und zäh, fast verschwunden
Und wenn kalter Atem aus Vergangenem weht
schwellen sie an, die gewesenen Wunden
Und es regnet auf mich, die im Wehe noch steht.

Der Schmerz: er verging. Es sind Male geblieben
Und manchmal die Einsamkeit im Regen.
Und es geht: durch die Narben hindurchzulieben
Um am Ende ein wenig vom Blau freizulegen.

Suchst Du Erlösung? Hast Du sie gefunden?
Nur in geword'ner Heimat, in vertrauter Hand
Kann weichen, was einst graugebunden.
     Und plötzlich ziert, was einst entstellt:
     Du bist meine Heimat, Du bist diese Welt
In der ich den Himmel, - Erlösung! gar fand.




II - Ein Lächeln lang

Gewiss bist Du das Schönste, was mir je begegnet.
Nie kreuzte solche Anmut meinen Weg, die
Sich erhob aus schon geword’nem Geiste -
Der dennoch aus dem Staub nach Gänze strebt.

Daß dieser Stimme Klang mich nicht mehr ließe
Und aus dem kusserfüllten, treuen Mund
Auf ewig mir in Ohr und Seele fließe:
Das macht’ dies’ wunde Herz gesund.

Müßt ich, um  diese Hände zu erblicken
Und ihre Wärme, gleich der Deiner Wort’, zu spüren,
Um Deine Augen, die wie reines Gold Dich schmücken
Die schlimmste Schlacht, die ärgsten Kriege führen:

Könnt ich, um Deine Schwere aufzurühren,
Zum Lächeln treiben alle Saiten, die da ruh’n
     (Und Du wärst glücklich, nur ein Lächeln lang)
     Die ganze Welt umwälzen, bis an den Niedergang:
Ich zögerte nicht – für Dich würd ich’s tun.

(c) Claudia, 2011